Die geplante Baustraße für das künftige Europaquartier über den Königsbühl bleibt weiter umstritten. Im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung stand die nach wie vor fehlende Freigabe eines kurzen Teilstücks durch die Feldmarkinteressengemeinschaft Bovenden. Als Gäste informierten Thorsten Heinze (SPD, Kreis- und Ortsratsmitglied Bovenden) sowie Frau Kalytta, Geschäftsstellenleiterin Göttingen der Niedersächsische Landgesellschaft (NLG), über den aktuellen Stand.
Die Feldmarkinteressengemeinschaft hatte am 24. Januar 2024 ihren Beschluss bekräftigt, das benötigte Teilstück nicht freizugeben. Damit ist eine zentrale Voraussetzung für die Trassenführung über den Königsbühl weiterhin nicht erfüllt. Offen bleibt vor allem, wie es der Stadt gelingen kann, wieder in einen konstruktiven Dialog mit dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft zu kommen.
Belastungen je nach Bauphase unterschiedlich
Unstrittig ist, dass Bauprojekte Belastungen mit sich bringen – allerdings in unterschiedlicher Intensität. Während die Erschließungsphase mit einer Dauer von etwa zwölf Monaten noch vergleichsweise moderaten Bauverkehr auf Feldwegen verursacht, ist in der eigentlichen Bauphase mit hohem, jedoch koordiniertem LKW-Verkehr zu rechnen. Besonders konfliktträchtig ist die anschließende Ausbauphase, in der viele kleinere Fahrzeuge unkoordiniert unterwegs sind. Erfahrungsgemäß steigt in dieser Zeit die Gereiztheit aller Beteiligten deutlich.
Die Sorgen der betroffenen Bovender Landwirte sind nachvollziehbar: Sie fühlen sich durch zusätzlichen Verkehr beeinträchtigt und in ihren Anliegen nicht ausreichend ernst genommen. Gleichzeitig handelt es sich bei dem strittigen Abschnitt um ein sehr kurzes Teilstück, das von den Eigentümern selbst kaum genutzt wird. Fragen der Entschädigung hat die Stadt nach eigenen Angaben bereits geklärt.
Königsbühl versus Europaallee
Für das Forum stehen die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner des Holtenser Berges und Holtensens im Vordergrund. Eine Trassenführung über den Königsbühl würde keine Wohngebiete belasten. Die Alternativroute über die bereits stark frequentierte Europaallee hingegen beträfe rund 2.000 Menschen. Dort bestehen bereits heute erhebliche Verkehrsprobleme, insbesondere für Schulkinder und ältere Menschen.
Als mögliche Entlastung am Königsbühl wurden verkehrslenkende Maßnahmen diskutiert, etwa eine Ampelregelung für den Gegenverkehr oder eine Rückführung des Gegenverkehrs über den Holtenser Berg. Dadurch ließe sich die Verkehrsbelastung deutlich reduzieren.
Frau Kalytta machte jedoch klar, dass der Stadt rechtlich die Hände gebunden seien. Eine Freigabe könne nicht erzwungen werden. Die verkehrlichen Herausforderungen seien lösbar, die Bauzeit müsse hingenommen werden – das eigentliche Problem liege in der schwierigen Kommunikation mit der Feldmarkinteressengemeinschaft.
Neue Gesprächsansätze gesucht
Um Bewegung in den festgefahrenen Konflikt zu bringen, wurden mehrere Vorschläge diskutiert: Hinweisschilder für Radfahrende auf landwirtschaftlichem Privatgrund, klare Vorgaben an Anlieferfirmen mit Vorrang für landwirtschaftlichen Verkehr sowie ein persönlicher Besuch des künftigen Oberbürgermeisters oder der künftigen Oberbürgermeisterin bei den Landwirten nach der Wahl. Vorerst bleibt die weitere Entwicklung jedoch offen.
Radverkehr und Buslinie 33 unter Druck
Unabhängig vom Ausgang des Konflikts verschärfen sich die Probleme für den Radverkehr bereits jetzt. Während der zweijährigen Bauzeit an der Südseite der Brücke verlängert sich die Umleitungsstrecke von bislang 1,6 auf 3,2 Kilometer. Gleichzeitig steht die Buslinie 33 immer wieder in Frage. Aus Sicht des Forums wäre daher ein durchgehender Radweg auf der Nordseite der Brücke zwingend erforderlich – ein solcher ist bislang jedoch nicht vorgesehen.
Das Forum fordert deshalb ausdrücklich den Erhalt der Buslinie 33. Zudem soll das Gespräch mit Gandersheim gesucht werden, um eine kürzere Umleitungsstrecke für den Radverkehr zu erreichen.
Weitere Beschlüsse und Ausblicke
Das Forum plant, die vier Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters zu einer Veranstaltung auf den Holtenser Berg einzuladen. Fragen können bis eine Woche vor der Sitzung im März über die Forums-Mailingliste eingereicht werden.
Der Holtenser Berg soll außerdem Sanierungsgebiet im Programm „Sozialer Zusammenhalt“ werden. Die Stadt hat hierfür einen Förderantrag beim Land gestellt. Änderungen im Maßnahmenkatalog sehen vor, dass der Bau einer Sporthalle sowie der Schulanbau beziehungsweise die Sanierung der Hagenbergschule entfallen. Stattdessen könnten Fördermittel für das Nachbarschaftszentrum (NBZ) bereitgestellt werden. Geplant ist die Einrichtung eines Sanierungsbeirats, in den zwei Bürgerinnen oder Bürger berufen werden.
Die Arbeitsgruppe Lebendige Demokratie verstärkt ihre Öffentlichkeitsarbeit. Ab dem 8. Februar starten unter dem Motto „Immer wieder freitags“ mehrere Filmvorführungen und Vorträge. Für die Bewerbung sollen insbesondere soziale Medien stärker genutzt werden.
Erfreuliche Nachrichten gibt es ebenfalls: Der Nachbarschaftsverein wurde mit dem Engagementpreis der Stadt und der Bürgerstiftung in Höhe von 1.000 Euro ausgezeichnet.
Berichterstattung im Masch Kurier
Über die Arbeit des Forums wird demnächst auch der Masch Kurier berichten. Die kostenlose Zeitung wird von Nachbarinnen und Nachbarn für Nachbarinnen und Nachbarn im Rahmen der Angebote des Forum Waageplatz e.V. erstellt, gedruckt und verteilt.
